Auge in Auge mit der Natur. Auf Bärenjagd in Rumänien.

Du wirst schwitzen auf der Reise, das wird bestimmt ganz schön heiss hat man mir gesagt. Aber nicht in Rumänien! Heute Morgen scheint kurz die Sonne, auf dem Weg Richtung transsilvanische Alpen wird das Wetter immer schlechter und es beginnt zu regnen. Als wir uns kurz nach Cartisoara unsere Regenkombis anziehen, werden wir von einem grellen Blitz über dem Fagaras-Gebirge begrüsst. Ich hasse Gewitter. Ja, ich fürchte mich vor Blitzen. Und am liebsten möchte ich umdrehen und auf die Transfăgărășan verzichten. Wie immer in einer solchen Situation überredet mich Roland, weiter zu fahren. Und wie immer lohnt es sich. Eigentlich ist die Straße noch gesperrt und nicht präpariert. Trotzdem fahren bereits einige Autos und natürlich Motorradfahrer durch die halbherzig aufgebaute Sperre. So auch wir. Die fast 100km lange Hochgebirgsstraße windet sich in unzähligen Kehren den Berg entlang. Je weiter wir hoch kommen, desto kälter wird es, oberhalb der Baumgrenze durchfahren wir bei strömenden Regen und 5°C die restlichen Schneewehen. Immer wieder müssen wir herabgestürzten Felsen auf der Straße ausweichen.

Und plötzlich sehe ich ihn im Augenwinkel: Einen Braunbär. Er steht direkt rechts neben der Straße. EIN BÄR, EIN BÄR, ROLAND DA WAR EIN BÄR. Wir halten an und Roland dreht um. Ich warte lieber, aber dann packt mich doch die Neugier. Ich drehe ebenfalls um und nach zwei Kurven steht er ca. 15m vor mir auf meiner Spur: Der Bär – aber kein Roland. Und unser Funk geht auch nicht – merke ich, weil ich mehrfach: BABY WO BIST DU in meinen Helm brülle und keine Antwort bekomme. Ich bekomme Panik, weiß nicht was ich machen soll. Vorbeifahren oder umdrehen? Ich entscheid mich für Gas geben und düse am Bär vorbei. Hinter der nächsten Kurve steht Roland. Also drehen wir wieder um, und fahren nochmal am Bär vorbei, der mittlerweile im Eiltempo Richtung Berghang läuft und diesen auch erklimmt. Mein Herz schlägt immer noch bis zum Hals obwohl ich langsam das Gefühl bekomme, dass er mehr Angst vor uns hat als ich vor ihm. Wir machen noch ein paar Fotos und fahren schließlich weiter, mit dem Wissen, eben etwas ganz Besonderes erlebt zu haben. Abends im Hotel stelle ich fest, dass ich zwar auf den Auslöser der GoPro gedrückt habe, aber leider vergessen habe, die Linse abzuwischen und so ist dort, wo eigentlich der Bär zu sehen sein sollte, ein großer Wasserfleck. Glücklicherweise hat Roland ihn ganz gut erwischt, wie er geradezu zirkusreif über die Leitplanke springt.

Auf dem weiteren Weg in Richtung Bukarest durchfahren wir viele Dörfer, aber wir finden keine Unterkünfte und so stehen wir gegen neun vor einem schäbigen Motel für Trucker mit Damenbegleitung an der A1. Der Typ an der Rezeption will für das verrauchte Ekelzimmer 40€. Wir lehnen ab, ich suche uns ein Hotel nochmal 30 Minuten entfernt und gegen 22 Uhr checken wir dort ein, gehen auf der Straßenseite gegenüber noch was Essen und fallen nach Mitternacht erschöpft ins Bett.

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