Tausche VW Bus gegen Sprinter.

Seit dem ersten Teil meines Umzugs sind zwei Wochen vergangen. Erstaunlicherweise habe ich es geschafft, viele der Kartons bereits auszuräumen. Es wird also Zeit für Nachschub. In Anbetracht der Tatsache, dass ich beim letzten Mal nichtmal die Hälfte meines Haushalts in meinem VW Bus hatte und ich zudem noch die Garage mit 3 Motorrädern und den Keller leer räumen muss, leihe ich mir diesmal den Sprinter meiner Firma. Es ist die lange Version mit 7 m. Die ersten Kilometer durch die kleinen Straßen Griesheims sind äußerst ungewohnt und ich hab ein bisschen Angst, dass ich in Kurven mit dem Heck alle anderen Verkehrsteilnehmer auf der Straße abräume. Aber als ich auf der Autobahn bin, läufts und ich komme mir ehrlich gesagt ziemlich cool vor in dem riesen Wagen.

Glücklicherweise kann ich den Sprinter bei meiner Wohnung in München im Hinterhof abstellen und dank der Rückfahrkamera gelingt das Einparken auch ganz leicht.

Wieder sind es meine Eltern, die mir beim Packen helfen. Zusammen mit meinem Vater lade ich meine GS Zicki und die R75/5 ein, bevor wir alles andere drumherum stapeln. Kartons, Regale, ein Sideboard, den Fernseher, meine zerlegte Couch, Leuchten, Tüten und meine Motorradsachen aus der Garage. Gegen Spätnachmittag kommt meine Schwester Julia zur Ablöse. Mit ihr mache ich über den Keller her. Die Hälfte davon landet bei der Diakonie. Danach putzen wir die Wohnung blitzblank und räumen die restlichen Sachen in den Sprinter. Dabei muss ich auch über die Bikes klettern und Julia reicht mir allerlei Zeug, das ich hinter den Bikes verstaue.

Es ist mittlerweile dunkel und der Sprinter rappelvoll. Die Garage aber leider noch nicht ganz leer. Meine Sitzbank vom VW Bus passt nicht mehr in den Sprinter. Und ein Bike muss ich zurücklassen, meine Yamaha XS 400. Ich hatte sie vor ein paar Jahren für 800 € gekauft und anschließend ein bisschen umgebaut, unter der Anleitung von meinem damaligen Freund Roland. Es ist kein Wahnsinns-Umbau, aber es war für mich das erste Mal, dass ich an einem Motorrad geschraubt habe. Die XS hat einen anderen Lenker bekommen, ich habe die Armaturen schwarz lackiert (ok, gesprüht) und die Blinker getauscht. Ein Kumpel von uns hat eine neue Sitzbank gemacht und ein anderer Kumpel Seiteteile aus Lochblech. Und ich hab den Krümmer umwickelt. Es hat sich herausgestellt, dass ich ein großartiges Talent fürs Wickeln habe. Ohne Handschuhe, ohne Wasser, einfach mit der bloßen Hand. Und es ist wirklich super geworden.

Roland und ich haben viel Zeit bei ihm daheim in der Garage verbracht und oft bis spät in der Nacht geschraubt. Also meistens hat natürlich Roland an seinen Bikes geschraubt. Und ich habe ihm so gut ich konnte geholfen. Oder mit den Nachbarn gequatscht, die oft bei uns zu Besuch in der Garage waren. Ich vermisse diese Zeit – vor allem weil die kleine XS seit einem kleinen Crash im Acker vor Rolands Haus nicht mehr läuft und mir das Knowhow fehlt, sie alleine wieder flott zu machen. Deswegen bleibt sie jetzt auch erstmal in München. Ich schließe die Garage, gehe zum Sprinter und blicke in den Laderaum. Gottseidank habe ich für morgen zwei professionelle Umzugshelfer organisiert. Sußie und Marnie kommen zwar auch wieder, aber zu Dritt ist das nicht schaffbar. Ich ziehe die Schiebetür zu und will den Autoschlüssel aus meiner Hostentasche nehmen. Der Schlüssel ist weg. Ich suche in allen Taschen. Nichts. Auf dem Beifahrersitz liegt er auch nicht und er steckt auch nicht im Schloss. Julia hat ihn auch nicht. Wir leuchten mit der Handytaschenlampe unter den Sprinter. Kein Schlüssel. Ich sehe in der Garage nach. Ohne Erfolg. Normalerweise würde ich jetzt ausrasten und laut werden, aber ich bin zu müde. Meine Aggression bleibt ganz tief in mir. Ich merke nur wie mir der Puls geht. Ich sehe meine Schwester an und sage ruhig: „Ausräumen. Wir müssen den Sprinter wieder ausräumen. Vermutlich habe ich den Schlüssel vorhin verloren, als ich über die Bikes geklettert bin.“ Julia sagt kein Wort und fängt an. Abends um halb 10 nach einem scheiß anstrengenden Tag räumen wir den halben Sprinter wieder leer. Und tatsächlich finde ich den Schlüssel hinter der /5 unten am Boden. Ich lege den Schlüssel auf den Beifahrersitz und wir befördern den ganzen Mist wieder zurück in den Laderaum. Heute Nacht schlafe ich bei meinen Eltern, meine Wohnung ist ja bereits leer.

Der erneute Abschied aus München ist diesmal nicht so schlimm. Ich freu mich sehr auf meine neue Wohnung und den Neuanfang. Die Fahrt verläuft reibungslos. Und direkt vor meiner Haustüre wäre tatsächlich ein Parkplatz für den großen Sprinter frei, wenn dieser blöde ieferwagen nicht so in zweiter Reihe stehen würde, dass ich nicht einparken kann. Meine Freundin Sußie ist mittlerweile angekommen und sie geht kurzerhand in den Laden, zu dem der Lieferwagen gehört und bittet den Besitzer, seinen Wagen wegzufahren. Er macht es tatsächlich und so habe ich einen 1A Parkplatz zum Ausladen. Die beiden Helfer sind pünktlich um 16 Uhr da. Vereinbart waren 2 Stunden, aber die beiden schaffen es, den gesamten Inhalt des Sprinters (bis auf die beiden Bikes natürlich!) in 55 Minuten auszuladen und in den 5. Stock zu tragen. Ich bin sprachlos und tief beeindruckt und bezahle natürlich trotzdem die vollen 2 Stunden.

Zusammen mit Sußie und Marnie sitze ich in einem ähnlichen Kistenchaos wie schon vor zwei Wochen. Nur dass wir diesmal die Kisten nicht selbst hoch geschleppt haben.

 

Hallo neues Leben!

Es ist es nicht nur ein Umzug von einer Wohnung in eine andere. Ich ziehe von München nach Frankfurt. Nach 39 Jahren verlasse ich meine Heimat, meine Freunde, meine Familie. Für meinen neuen Job. Seit Januar bin ich für das Marketing von Indian Motorcycle in Deutschland und Österreich zuständig und unser Büro ist südlich von Frankfurt. Auch wenn es nur knapp 400 km sind, die mich von meinem geliebten München trennen, ist es doch ein komisches Gefühl, alles hinter sich zu lassen. Und zu allem Übel für eine Stadt, die angeblich viel hässlicher und vor allem total gefährlich ist – überall Drogensüchtige und Kriminelle, werde ich von vielen gewarnt. Meistens kommen die Warnungen von Leuten aus Bayern.

Ich bin nun seit fast drei Monaten in Frankfurt und was soll ich sagen – es gefällt mir hier. Die kleine Großstadt mit ihrer Mischung aus prächtigen Altbauten und riesigen Hochhäusern. Tagsüber ist Frankfurt eine Millionenstadt aber abends, wenn alle Pendler nach Hause fahren, befinden sich hier nur noch etwas über 600.000 Menschen. Also gerade mal halb so viele Einwohner wie in München.

Auch ich pendle für meinen Job, allerdings in die andere Richtung. Von Frankfurt raus nach Griesheim-Darmstadt, wo sich unser Büro befindet. Falls sich wer fragen sollte, warum ich nicht in das viel nähere Darmstadt gezogen bin: Ich wollte nicht in einer Stadt wohnen, die mich an den Verdauungstrakt erinnert. Für mich war von Anfang an klar, dass ich in Frankfurt wohnen möchte, und bitte so zentral wie möglich! Schließlich habe ich die letzten fünf Jahre am Gärtnerplatz – also mitten in München – gelebt. Ich liebe die Stadt, brauche das laute Leben und alles Wichtige fußläufig erreichbar.

Nachdem ich die ersten acht Wochen bei meiner Freundin Sußie im Ostend wohnen durfte, habe ich nun meine absolute Traumwohnung in Sachsenhausen gefunden. Zwei Zimmer im ausgebauten Altbau-Dachgeschoss mit hohen Decken und ein Balkon mit Blick auf den Römer und die EZB. Und ein Fitness-Vertrag ist im Mietvertrag auch enthalten, denn die Wohnung befindet sich im 5. Stock ohne Aufzug. Der Umzug wird eine Herausforderung.

Da ich meine Wohnung in München erst Ende März aufgebe, kann ich den Umzug in Etappen machen. Den ersten Schwung nehme am letzte Februar-Wochenende mit meinem T6 mit. Freitagmorgens, nachdem ich die Schlüssel für meine neue Wohnung erhalte habe und bereits die ersten Kartons in den 5. Stock getragen habe, fahre ich etwas erschöpft aber gut gelaunt und voller Tatendrang nach München. Bis ich daheim im Chaos stehe und einen leichten Anflug von Panik bekomme. Vor zwei Wochen hatte mir meine Freundin Barbara geholfen, die ersten Kartons zu packen und ich kann mich kaum rühren zwischen dem ganzen Zeug. Gegen Nachmittag kommen meine Eltern zur Unterstützung. Es ist glaube ich der 27. Umzug, den sie mit einer ihrer 4 Töchter machen. Wobei ich diese Rangliste mit Abstand anführe! Ich trage Kartons, Stühle, mein zerlegtes Bett samt Matratze, eine Kommode, Pflanzen, Tüten und weiteres Krimskrams nach unten, mein Vater belädt den Bus im Tetris Expertenlevel, nur dass leider keine Reihen verschwinden. Irgendwann ist Schluss und das Auto voll. Es ist kurz vor Mitternacht als ich total erschöpft ins Bett gehe.

Der Wecker klingelt um 7 Uhr. Ich will nicht aufstehen. Ok, eigentlich will ich das nie, ich bin ein ganz schlimmer Morgenmuffel. Aber heute ist es noch schlimmer. Ehrlich. Ich spüre den gestrigen Tag in meinen Knochen. Beim Frühstück legt mir mein Vater eine Magnesiumtablette auf den Teller. „Das brauchst du heute“ nuschelt er. „Danke“ antworte ich gequält und beiße in mein Marmeladenbrot.

Für einen Samstag ist erstaunlich wenig los auf der A9, ich komme in 4,5 Stunden ohne Stau nach Frankfurt. Ich parke in zweiter Reihe vor der Haustür und gebe Sußie Bescheid. 10 Minuten später fährt sie mit ihrem Rad um die Ecke. Sußie und mein Cousin Marni, der in Frankfurt Lehramt studiert, sind meine Umzugshelfer heute. Zu dritt machen wir den Bus in 1,5 Stunden leer. Wir stöhnen, jammern und verfluchen den 5. Stock. Es ist wirklich anstrengend, aber Marni und ich haben es sogar geschafft, das Bett und die Matratze nach oben zu tragen. Ohne Sußie und Marni wäre ich aufgeschmissen gewesen. Aber nur zur Erinnerung – das war ja erst Teil 1…

Fakten meiner Kolumbienreise

Reisezeitraum: 2. bis 21. Dezember 2019

Fahraktiv vom 3. bis 18. Dezember 2019

2.400 km

  1. Fahrtag: Von El Carmen de Viboral nach Guatapé und zurück, 130 km, Tagestour
  2. Fahrtag: Von El Carmen de Viboral nach Sonson, 85 km (Hotel Maravilla)
  3. Fahrtag: Von Sonson nach Salamina, 109 km (Hotel Bonsai)
  4. Fahrtag: Von Salamina nach Villamaria über den Navado Santa Isabel, 160 km (La Laguna Hostel)
  5. Fahrtag: Von Villamaria nach La Unión (Valle del Cauca), 152 km (Villa Juliana)
  6. Fahrtag: Von La Unión (Valle del Cauca) nach Cali, 158 km, (Ibis Hotel)
  7. Fahrtag: Ruhetag in Cali
  8. Fahrtag: Von Cali nach Popayan, 157 km (Hotel La Plazuela)
  9. Fahrtag: Von Popayan nach Laguna de la Cocha, 289 km (Hosteria El Carrizo)
  10. Fahrtag: Von Laguna de la Cocha nach Mocoa, 134 km (Posada Turistica Dantayaco)
  11. Fahrtag: Ruhetag im Amazonas, (Posada Turistica Dantayaco)
  12. Fahrtag: Von Mocoa nach Neiva, 324 km (El Poblado Hotel Boutique)
  13. Fahrtag: Von Neiva nach Ibagué, 232 km (Sonesta Hotel)
  14. Fahrtag: Von Ibagué nach Murillo Tolima, 154 km, (Arthostal Wandra)
  15. Fahrtag: Von Murillo Tolima nach Nevado de la Ruiz, 51,3 km (Hotel Termales del Ruiz)
  16. Fahrtag: Von Nevado del Ruiz nach El Carmen de Viboral, 242 km

Anreise und Bikeübernahme am 2.12., Rückgabe der Bikes am 19.12.

Am 20.12. habe ich mir Medellin angesehen und am 21.12. ging der Flieger zurück nach München.

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Tag 17: Der letzte Fahrtag in Kolumbien

Um 7:30 Uhr sitzen wir am Frühstückstisch, da wir gleich noch die Kolibris füttern wollen, bevor wir die letzten 250 km unserer Kolumbien-Tour fahren. Zum Füttern der Vögel gibt man uns kleine Dosen mit Blumenaufkleber und einem Loch in der Mitte für den Kolibri-Schnabel. In die Dosen füllen wir Zuckerwasser und es dauert tatsächlich nicht lange, bis die ersten Kolibris um uns herum schwirren. Die bunten Vögel setzen sich auf meine Hand, stecken ihren langen Schnabel in die Dose und mithilfe ihrer langen Zunge trinken sie gierig das Zuckerwasser, bevor sie wieder hektisch abschwirren. 40-50 Flügelschläge pro Sekunde schafft so ein Kolibri. Es ist beeindruckend und wunderschön –  auch wenn die Tiere vermutlich in einer Woche Diabetes haben, so dick sind mache von ihnen.

Wehmütig belade ich ein letztes Mal die 790 und bereite mich mental auf unsere letzten 250 Kilometer vor. Die ersten 50 km sind ein Traum. Offroad, kurvig, durch dichten Dschungel. Immer wieder sind Teile der Strecke betoniert, richtig schön, mit Muster. Aber immer nur ein paar Meter. Ich werde wohl nie erfahren, warum die Kolumbianer so sinnbefreit betoniert haben.

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