Bei Mohammed und Mina

Wenn ich gewusst hätte, was für eine Strecke heute auf mich zu kommt, wäre ich im Bett liegen geblieben. Bis Mashhad sind es auf dem schnellsten Weg 550km. Roland möchte gern einen Umweg über den Golestan Nationalpark fahren, den ich ursprünglich auch auf meiner Route hatte, aber aus Zeitgründen auslassen möchte. Machen wir aber nicht.

Die Hitze heute ist unerträglich. Das Thermometer an meinem Bike zeigt 46.5° an. Am Nachmittag halten wir an einem hier typischen Imbiss an, ich möchte eine längere Pause in einem klimatisierten Raum machen. Wir haben nur noch wenige Rial, wollen aber nicht mehr tauschen und haben Tanken und Unterkunft kurz überschlagen, es sollte reichen, auch wenn wir etwas essen. Roland bestellt wie immer einen Fleischspieß, ich gegrillte Tomaten mit Brot. Das kostet hier ja nicht die Welt. Der Besitzer ist so begeistert von uns auf den Bikes, dass wir nichts bezahlen müssen. Das kommt uns heute ausnahmsweise sehr gelegen, auch wenn wir mehrmals betonen, dass wir natürlich bezahlen wollen.

Im Golestan Park knacken wir die 10.00km. Kurzes Glücksgefühl. Dann ein Blick auf die Uhr und die weitere Route und zack ist das tolle Gefühl weg. Noch 450km bis Mashhad. Es wird tiefe Nacht sein, wenn wir dort ankommen. Unser Plan, eine Unterkunft auf der Strecke zu finden, geht nicht auf. Zwischen Bodschnurd und Mashhad sind nur ein paar kleine Dörfer, die zwar toll beleuchtet sind, es herrscht emsiges Treiben auf den Straßen, aber kein Hotel weit und breit. Es bleibt uns nichts anderes übrig als bis Mashhad durchzuhalten. Die letzten 150km sind eine Qual. Wir haben beide keine Lust mehr, fahren stur auf der Schnellstraße dahin, reden kaum, warnen uns nur wenn ein unbeleuchtetes Fahrzeug von hinten oder entgegen kommt. Die Laune ist am Nullpunkt.

Kurz vor der Stadt tanken wir und werden gleich angesprochen, ob wir Hilfe brauchen. Wir erwähnen, dass wir noch kein Hotel haben und ein junger Mann sagt sofort, wir sollen ihm folgen, er fährt uns zu einem Hotel in der Nähe – dem Parsian Tourist Hotel. Der Rezeptionist dort will gerade Feierabend machen, zeigt Roland noch die Zimmer aber meint dann: „Am besten ihr kommt mit zu mir. Ich wohne nicht weit weg, und meine Frau freut sich.“ Abgemacht. Mohammed fährt also mit seinem Fahrrad voraus, der arme strampelt sich ab, damit wir wenigstens mit 25km/h hinterherfahren können. 15 Minuten später parken wir unsere Bikes in seiner Garage und stehen kurz darauf in einer iranischen 3-Zimmer-Wohnung. Ich schätze, seine Frau Mina hat die Wohnung eingerichtet. Es sieht aus wie in einem Palast aus der Barock-Zeit. Weiße, verschnörkelte Polstermöbel mit Goldrand, die mit Plastik überzogen sind, ein riesen Teppich in einem goldenen Rahmen hängt über dem Sofa, er stellt die Krönung von Jamshid dar, wenn ich das richtig verstanden habe. Seine Mutter hat dieses Teppichbild selbst gefertigt. In 2,5 Jahren. Drei Katzen laufen durch die Wohnung, ein Kater namens Hero und zwei kleine Babykatzen, die sie von der Straße geholt haben, aufpeppeln und dann wieder aussetzen werden. Das haben sie schon öfter gemacht.

Wir machen es uns auf der Couch bequem und sie servieren uns Obst und ein saures Joghurt-Getränk, Saft und Tee. Beide sind wunderbar herzlich und fürsorglich. Ich fühle mich gerade wie eine Baby-Straßenkatze.

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