Tag 17: Der letzte Fahrtag in Kolumbien

Um 7:30 Uhr sitzen wir am Frühstückstisch, da wir gleich noch die Kolibris füttern wollen, bevor wir die letzten 250 km unserer Kolumbien-Tour fahren. Zum Füttern der Vögel gibt man uns kleine Dosen mit Blumenaufkleber und einem Loch in der Mitte für den Kolibri-Schnabel. In die Dosen füllen wir Zuckerwasser und es dauert tatsächlich nicht lange, bis die ersten Kolibris um uns herum schwirren. Die bunten Vögel setzen sich auf meine Hand, stecken ihren langen Schnabel in die Dose und mithilfe ihrer langen Zunge trinken sie gierig das Zuckerwasser, bevor sie wieder hektisch abschwirren. 40-50 Flügelschläge pro Sekunde schafft so ein Kolibri. Es ist beeindruckend und wunderschön –  auch wenn die Tiere vermutlich in einer Woche Diabetes haben, so dick sind mache von ihnen.

Wehmütig belade ich ein letztes Mal die 790 und bereite mich mental auf unsere letzten 250 Kilometer vor. Die ersten 50 km sind ein Traum. Offroad, kurvig, durch dichten Dschungel. Immer wieder sind Teile der Strecke betoniert, richtig schön, mit Muster. Aber immer nur ein paar Meter. Ich werde wohl nie erfahren, warum die Kolumbianer so sinnbefreit betoniert haben.

In Villamaria tanken wir und erhöhen den Luftdruck der Reifen, denn ab jetzt geht es auf der Straße „50“ auf Asphalt weiter. Wir bewegen uns mittlerweile unter 1.000 m und es ist wieder brutal warm. Die „50“ wird aktuell bebaut und ist daher immer wieder nur einspurig befahrbar. Das heißt für uns „Pare“ also „Warten“ bis der Gegenverkehr durch ist und wir dran sind und „Siga“ also „Weiter“ dürfen. Bis zu 20 Minuten mussten wir teilweise warten und das nervt mich gewaltig. Den letzten Fahrtag hatte ich mir schöner, aufregender gewünscht. In einem Restaurant am Rio Cauca machen wir Pause, ich verweigere zum ersten Mal Reis mit Ei und bestelle Pommes. Jawoll, Rebellion!

In Santa Barbara – südlich von Medellin – kommt es noch dicker: Eine Schlammlawine ist abgegangen und hat die Straße vollständig versperrt. Wir fahren an dem kilometerlangen Stau ganz nach vorne und erfahren, dass die Aufräumarbeiten zum Glück fast abgeschlossen sind. 45 Minuten müssen wir warten, bevor wir weiterfahren können. Der Massenstart zwischen den vielen gernervten Zweirädern, Lkws und Autos ist eine echte Herausforderung.

Es folgt die letzte kurvige Bergstrecke über den Montebello. Und der Berg trägt seinen Namen „Schöner Berg“ zu recht. Der Ausblick auf die umliegende Bergkette ist gigantisch. Und dann geht es tatsächlich noch ein Stück offroad weiter. Trotz Knieschmerzen fahre ich im Stehen und versuche, die letzten Kilometer in Kolumbien mit allen Sinnen zu genießen und mir alles genau einzuprägen – jede Kurve und jeden Baum.

Es dämmert bereits, als wir in die vertraute Straße zur Finca „Endurolandia“ abbiegen. Wir sind daheim, nach 16 Tagen und fast 2.500 Kilometern.

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